›The Art of German Psychedelic‹
A.R. & Machines
Achim Reichel präsentiert die Wiederauferstehung seines innovativen Kunstprojekts
Achim Reichel  (g)   Nils Hoffmann  (key, g)   Achim Rafain (b)   Olaf Casalich (perc)   Yogi Jockusch (perc)   Stefan Wulff (Livemix)  

»Ein halbes Jahrhundert sind diese multiplen, rhythmisierten Echo-Loopings alt. Doch sie klingen wie ein Sound-Entwurf der Gegenwart.«

Manchmal hilft der Zufall.
Anfang 1970 stöpselt Achim Reichel seine Gibson Firebird in sein funkelnagelneues Tonbandgerät Akai X-330D, um eine kurze Melodie als Memo aufzunehmen. Als er sich später die Aufnahme anhört, findet er sich in einem Wald voller Gitarren wieder, denn sein Aufnahmegerät spielt ihm wieder und wieder Echos der kurzen Tonfolge wieder. Ohne es zu ahnen, hat Reichel sein eigenes Spiel geloopt – heute eine gängige Methode, aber 1970 etwas völlig Neues. Der Hamburger Gitarrist spielt seine Entdeckung Musikerfreunden vor und alle sind aus dem Häuschen. Reichel hat mit seinem Effektgerät ein berauschendes Musikerlebnis kreiert. Er holt weitere Musiker in sein Studio, nimmt mehr und mehr Musik auf und findet sogar eine Plattenfirma für die Experimente, mit denen er die engen Grenzen des Drei-Minuten-Popsongs radikal sprengt. 1971 erscheint ›Die Grüne Reise‹. Reichel, als Sänger und Gitarrist der Beatband The Rattles und der Psychedelic-Popper Wonderland bekannt geworden, gehört plötzlich zu den Pionieren eines Sounds, der später als Krautrock in die Popgeschichte eingehen wird.
Die zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Platten von A.R. & Machines avancieren zu begehrten Sammlerstücken und bekommen Kultstatus. Der britische Musiker Julian Cope schreibt über Reichel in seinem Buch ›Krautrocksampler‹ eine Eloge, ohne dass dieser davon erfährt. Es häufen sich Anfragen bei ihm, diese Schätze wieder zu veröffentlichen. 2007 legt er ›Die Grüne Reise‹ und andere Alben der A.R. & Machines nach mal neu auf. 2010 taucht Achim Reichel & Machines in der Augustausgabe im britischen ›Uncut‹-Magazin in einer Story über große verloren gegangene Alben auf. ›Echo‹, 1972 bei Polydor erschienen, rangiert auf Platz 12 dieser Liste mit ›50 great lost albums‹. mehr 


Frank Dostal, lange Reichels Partner bei etlichen seiner Projekte, schreibt 1971 über ›Die Grüne Reise‹: »Die Grüne Reise ist das erste hörbare Ergebnis einer neuen Auffassung von Musik. Wer sie hört, wird inspiriert: Optisch-akustische Visionen werden geformt, Klänge wiedergeboren, Aggressionen gelöst. Neue Gespräche. allein, mit anderen – ohne Sentimentalitäten. Revolutionsfern. Es wird empfohlen, diese Platte zu Massenveranstaltungen, Acid-Feten, Sound-Demonstrationen, euphorischen Höhenflügen, Liebesvereinigungen, politischen Veranstalten und als Filmmusik zu spielen.«
Ein halbes Jahrhundert sind diese multiplen, rhythmisierten Echo-Loopings alt. Doch sie klingen wie ein Sound-Entwurf der Gegenwart.
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